Die Predigten

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Predigt  von Pastor Wolfgang Starke

zur Ausstellung des Bilderzyklus  „Mariendistel

von Anja Marina Kolberg im Foyer der

Ansgari-Kirche zu Wallhöfen

21. Sonntag n. Trin./ 5. November 2006

 

1,) Kann ein Bild religiöse Qualität haben?

 

     Auf dem christlichen Weg, kann bildende Kunst da eine Rolle spielen?

     In der Kirche gibt es eine starke, sehr bestimmende Spiritualität,

     die solche Fragen eher verneinen würde;

     da ist die Auffassung – letztlich verankert im 2. Gebot „Du sollst dir kein                            

     Bildnis machen“, dass alles, was mit Gott zu tun hat, nicht darstellbar ist.

     Gott überschreitet diese Welt und unsere Vorstellungen von ihr in so

     radikaler Weise, dass der Mensch auf dem Weg zu Gott gut daran tut,

     sich von der Welt abzuwenden;

     und in dieser Konsequenz entsteht eine Erlösungs-Spiritualität,

     die über die Stufen der Reinigung und der Erleuchtung die schließliche

     Einigung und Versenkung in Gott erstrebt; eine Gotteserfahrung,

     die nicht mehr von dieser Welt ist!   

     Es gibt auch noch einen anderen Weg, eine andere Spiritualität,

     die Gott nicht hinter dieser Welt sucht und in Abkehr von ihr,

     sondern die unser Leben in seiner Fülle und Farbigkeit wie in seiner

     Brüchigkeit und Endlichkeit als eine Schöpfung Gottes begreift;

     Diese Schöpfungs-Spiritualität nimmt das Ereignis von Weihnachten,

     das wir bald wieder feiern, ernst:

     das Ereignis nämlich der Inkarnation, der Fleischwerdung Gottes,

     also dass Gott sich in diese Welt hineinbegibt und mit unserem Leben

     zu tun hat; und dem in der Tat an sich unsichtbaren und unfassbaren Gott

     begegne ich in dieser Haltung nun gerade nicht in Abkehr, sondern in der

     Auseinandersetzung mit der Welt. Indem ich sie wahrnehme und berühre,

     indem ich das Leben fühle und an mich heranlasse, vielleicht mich auch   

     verletzen lasse;  indem ich diese Welt auch gestalte und

     etwas in sie hineinbringe, was vorher und ohne mich nicht da war.

     Von dieser schöpfungsbezogenen Haltung und Frömmigkeit her kann

     Kunst, kann z.B. ein Bild ein „Fenster“ in die Ewigkeit sein.

      Und genauso möchte ich mich dem Bilderzyklus „Mariendistel“

      von Anja Marina Kolberg nähern, möchte das, was diese Bilder in mir

      an Eindruck hinterlassen und das, was ich über sie von Anja erfahren habe,

      in Beziehung bringen zu dem vierfachen Pfad der Schöpfungs-Spriritualität,

      wie ihn der Dominikaner-Pater Matthew Fox entwickelt hat.

 

 

 

2. Das Göttliche kann zunächst und zuerst gefunden werden auf der „via positiva“., auf dem Positiven Weg, indem ich das wahrnehme und annehme, was mir gegeben ist. Auf dem Weg der via positiva erfahre ich die Ehrfurcht, das Staunen und die Freude über diese wunderbare Welt, von der ich selbst – nicht weniger wunderbar – ein Teil bin. Der positive Weg vermittelt die Überraschung, die am Anfang aller Philosophie steht: dass überhaupt etwas da ist und nicht Nichts ist; freilich, wir sind immer in Gefahr, das Leben zu selbstverständlich zu nehmen, zu banal, und dann können Natur und Kunst uns wieder die Augen öffnen, so dass wir wieder ins Staunen kommen. Solch eine Überraschung hat Anja Kolberg mit der Mariendistel erlebt, die der Wind in ihren Garten getragen hat, einem Geschenk gleich, das die Aufmerksamkeit dringlich machte, indem sie wuchs und immer größer wurde, nahezu 180 cm. Und in Augenhöhe mit Anja forderte sie auf zur Begegnung, zur Berührung, zur Auseinandersetzung, zum Dialog. Und es enstand das 1. Bild „Mariendistel“, das die Struktur der Distel aufnimmt, aber auch – in großer Bewegung gemalt – die Dynamik des Windes darstellt, der die Pflanze herbeigebracht hat. Und schon das eröffnet  die religiöse Dimension: das hebräische Wort für Wind „ruach“, ist zugleich das für den Geist Gottes, wie auch in der Sprache des Alten Testaments das griechische Wort „pneuma“ sowohl Wind wie Geist bedeutet. Und so wird die Distel denn zu einem Boten Gottes, wie für mich tatsächlich in der Betrachtung die Assoziation zu großen Flügeln ausgelöst wurde, Erinnerung an die Cherubim, jene mächtigen Engelwesen, die die Tore des Paradieses z.B. bewachen, und unseren direkten Kontakt mit Gott an dieser Stelle hindern. Anja Kolbergs Versuch war in diesem ersten Bild, die Strahlen und das Leuchten der Mariendistel auszudrücken, und zugleich das Spüren, wie schwer, wie unmöglich es ist. Gottes Heiligkeit gebietet Abstand und Ehrfurcht, und wird von Menschen immer in zweierlei Weise erfahren: als fascinosum, als das, was anzieht und nach Ausdruck verlangt, und als tremendum, als das, was Zittern macht und abschreckt. Ob wir uns schaudernd in den Weiten des Alls verlieren oder liebend in den Augen eines Menschen versinken, im Kleinen wie im Großen kann uns die Schöpfung transparent werden lassen für Gott, und auch eine Distel kann Gott provozieren. >Lied 331,1-3 Großer Gott 

 

 3. Gott begegnen wir weiterhin auf der „via negativa“, auf dem  „Negativen“ Weg. Dieser negative Weg nimmt die Erfahrung auf, dass alles, was ist, vom Nichts umspült ist. Dem Nichts begegnen wir in jeder Mangelerfahrung, und das kann von frühesten Tagen an unser Leben sehr prägen, Mangel an Nahrung oder an Schutz oder an Verlässlichkeit, Mangel an Zeit oder Nähe oder Zärtlichkeit. Das Nichts treffen wir an in jedem Defizit-Erleben, in einem Leiden oder in Krankheit und Tod, dann,wenn wir die Brüchigkeit und Gebrechlichkeit dieser Schöpfung erfahren. Es gibt keine religiöse Erfahrung ohne diese Negativität, im Sinne dieser Verse von Hermann Hesse „Keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt….“. Diese Erfahrung taucht auch im Bilderzyklus der Mariendistel auf, z.B. in dem Bild  „Unbefleckte Empfängnis ?“- Ausgehend von den Dornen der Mariendistel, die Bedrohung und Schutz zugleich sind, ergab sich für Anja eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau und dem Weiblichen in Kirche und Frömmigkeit. Die Bezeichnung der Distel mit dem Namen der Maria tat sicher ein Übriges. Für mich macht gerade dieses Bild sehr eindrücklich deutlich, wie die Frauen durch eine männerbestimmte Theologie und Frömmigkeit unterdrückt, verletzt und umgebracht wurden. Das ist ja über weite Strecken in der Geschichte der Kirche und manchmal noch heute so, dass Religion dazu benutzt wird, die Körperlichkeit, die Sexualität und die Gefühlswelt zu unterdrücken und damit das Leben abzutöten. Und weitergehend noch resultiert geistesgeschichtlich daraus eine höchst problematische Einstellung des abendländischen Menschen zu Natur und Materie, denn die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft ist ja nur möglich geworden, indem die Materie auf die Folterbank des Experiments gespannt wurde, ein Gutteil der Probleme, die die Menschheit heute hat, geht auf diese Entfremdung zurück. Ein bisschen plakativ ausgedrückt, besteht ein Zusammenhang zwischen Kirche und Hexenverfolgung und der modernen Welt. Und das ist die besondere Tragik gerade der christlichen Religion, die um die Inkarnation weiß, und dabei dann Gott aus der Materie und Natur und Körperlichkeit heraustreibt, um nach Belieben die Materie und Natur und den Körper manipulieren zu können! Via negativa! Überdeutlich verdichtet sich dieser negative Weg in der Christusgestalt des Neuen Testaments, wo der Mensch ja im Namen Gottes Gott ans Kreuz schlägt! >Lied 373,1+3+5 Jesu, hilf siegen

 

. 4. Der dritte Pfad von Gottesbegegnung in der Schöpfungs-Spiritualität ist die „via creativa“, der Kreative Weg. Nach biblischem Zeugnis ist der Mensch zur Mitverantwortung in der Schöpfung Gottes berufen, und wenn man nach einem Merkmal sucht, das den Menschen als „Krone der Schöpfung“ ausweist, dann ist am ehesten auf seine Kreativität  zu verweisen, darauf, daß er schöpferisch tätig sein kann. Nur der Mensch kann z.B. ein Künstler sein, darin verwirklicht er seine Gott-Ebenbildlichkeit. Und seine Kunst wird erlösenden Charakter immer dann haben, wenn sie sich auf den Ursprung bezieht, wenn sie Bezug zum Wurzelgrund des Lebens hat, zu Gott. Solche erlösenden, befreienden Erfahrungen spiegeln sich in den letzten Bildern des Zyklus von der Mariendistel, z.B. in dem Bild „Venus-Distel“. In Polarität zu dem vorherigen Bild von der „Unbefleckten Empfängnis“ kommt es mir vor wie eine „Richtigstellung“ in dem Sinne: so hat Gott es sich eigentlich gedacht. Das Wunderbare der Körperlichkeit, des Frau-Seins auch, die Farben von Violett und Rot lassen die Freude, das Blut, das Lebensvolle ahnen, vielleicht kann man auch sagen „das Reine“. Das freilich etwas ganz anderes ist als die Reinheit einer unbefleckten Empfängnis, sondern  „rein“  im Sinne von : so stimmt es, so ist es der unverfälschte Ausdruck , wie wunderbar, wie schön! Solche Stimmigkeit wird ja auch immer wieder einmal im künstlerischen Prozeß erlebt, dass aus Intuition heraus ein Bild z.b. entsteht, oder aus Meditation heraus, wie immer man das ausdrücken will. Ein Erleben jedenfalls, dass  „Es sich malt“. Und man selbst als Künstler wie ein Instrument, ein Kanal ist, durch den es sich hindurchmalt und ausdrückt und Gestalt gewinnt. Und weil ein Bild dann so absichtslos entstanden ist, nimmt man es dann entgegen wie ein Geschenk. >Lied 432, 1-3 Gott gab uns Atem  

 

5. Das letzte Bild des  Mariendistel-Zyklus betrachte ich unter dem Aspekt des vierten Pfades der Schöpfungs-Spiritualität, der „via transformativa“, gemeint ist ein Weg, auf dem sich das Leben nach dem Willen Gottes verändert und umgestaltet. Es geht also darum, dass diese Welt friedlicher wird, gerechter, erlöster, befreiter, liebevoller……Vom christlichen Standpunkt aus kann man auch sagen : die Welt muß durchchristet werden, und selbstverständlich meint das Anderes als Macht, Einfluß und Herrschaft einer Kirche. Sondern die Liebe Gottes will dieses Universum durchstrahlen und damit auch unser Leben, bis in die Leiblichkeit hinein, wenn wir etwa dem nachspüren, was mit dem Ereignis der Auferstehung gemeint sein könnte. „Dust in the wind“ heißt dieses letzte Bild des Zyklus, es ist von Anja mehrfach übermalt worden, in dem Bestreben, einen Ausdruck für das Göttliche Licht zu finden. Und je nach Standpunkt kann man es entdecken und aufblitzen sehen oder es entzieht sich wiederum. Sicher bleibt jeder menschliche Versuch, das Göttliche zu erfassen, ungenügend und Bruchstück, da ist es für einen Künstler nicht anders als etwa für einen Theologen, der einerseits Gott zur Sprache bringen möchte, und andererseits in diesem Bemühen immer wieder scheitert. Aber eine Ahnung von Gott  kann ich immer wieder bekommen, und wie er mein Leben sinnvoll machen möchte in der Hingabe an diese Welt und ihre Menschen. Ein Aspekt der Mariendistel ist ja, dass  sie in der alternativen Medizin als Heilpflanze gilt. Und dass der Mensch in der Natur heilende Kräfte entdecken und zum Wohle von Natur, Tier und Mensch einsetzen kann, das gehört sicher zu seinen stärksten transformatorischen Fähigkeiten und ist eine Gabe Gottes. Wir wollen dankbar sein, wenn wir für eine Weile hier in Raum und Zeit leben dürfen, wenn uns zudem Kraft und Möglichkeit gegeben ist, uns aktiv in irgendeiner Form an dieser Schöpfung Gottes zu beteiligen. Und an unserem Ort jeweils mithelfen können, dass diese unsere Welt etwas heiler wird. Das wichtigste und heilsamste Medikament ist sicher die Liebe, mit ihr sind wir wie mit einem Kompaß immer in Richtung auf Gott unterwegs. Im 1. Johannesbrief heißt es deshalb ja auch: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen.“  (1.Joh.4.12) Amen!

> Lied 395 – Vertraut den neuen Wegen

 

 

 

 

 

Meine Rede zur Ausstellung

 

Guten Tag und danke, daß Sie hier sind.

 

Vielen Dank auch und vor allem an Wolfgang Starke als Pastor, der mich als Kirchenmann und Mensch wieder mit der Kirche als Institution versöhnt hat. Ich empfinde es als große Bereicherung, dass du Kunst als einen von vielen eigenständigen Wegen siehst, die Welt zu verstehen und vielleicht auch zu verändern. Der Austausch mit dir während der Ausstellungsvorbereitung war für mich wertvoll, danke dafür.                                                                                  Vielen Dank auch an die Kirchengemeinde Wallhöfen, dass ich heute hier vor Ort, dort, wo ich lebe und arbeite, meine Werke zeigen kann.

Das ist für mich von Wichtigkeit, weil ich meine Bilder auch für die Allgemeinheit gemalt habe.

Es ist natürlich für mich als Künstlerin bedeutsam, aber auch als soziales Wesen und vor allem, was diesen Bilderzyklus angeht, als Frau. Ich freue mich, dass ich mit meinen Werken heute hier stehen darf, in einem Gotteshaus der evangelischen Kirche – und ich stehe hier auch stellvertretend für all die Frauen, denen in der Vergangenheit durch die Kirche Unrecht widerfahren ist. Ich hoffe, dass meine Arbeit vielleicht  auch dazu beiträgt, dass die Stimmen von Frauen zukünftig noch mehr und öfter auch in kirchlichen Institutionen zählen.  Das  würde mich freuen.

Wolfgang Starke hat meine Bilder auf sehr umfassende Weise gesehen,  ich möchte an dieser Stelle einen Passus aus dem Buch „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger zitieren:

 

„Das Faszinierende an der künstlerischen Kreativität

 (oder wahrscheinlich an jeder Art von Schaffensprozess)

 ist der Moment, wenn die nebelhafte, gegenstandslose Idee konkrete Gestalt annimmt, Substanz gewinnt, sich zu einem Ding in einer Welt der Dinge wandelt……“, Zitatende.

 

Dieser Moment, von dem hier die Rede ist, hat für mich etwas Absolutes, Geheimnisvolles.  Dieser Bilderzyklus ist mir ja sozusagen „zugeflogen“,   ebenfalls auf geheimen Wegen.  Die Mariendistel hat mich auf den Weg gebracht, etwas in mir bewegt.  Ihr danke ich besonders und durch sie meinem Schöpfer.

Ich hoffe, dass meine Arbeit auch in Ihnen etwas in Bewegung bringt 

und würde mich freuen, wenn wir uns im Anschluß an den Gottesdienst darüber austauschen könnten.

Im Gemeindehaus haben wir einige Erfrischungen vorbereitet und ich möchte Sie herzlich dorthin einladen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt Pastor Hüncken, St.Cosmae Hambergen

 

Liebe Gottesdienst-Gemeinde,

Creatour –

Das ist ein zusammen gesetztes Wort:
Aus Creativ – für das Künstlerische, das an diesem Wochenende  in unserer Samtgemeinde ausgestellt wird und zu betrachten ist.

Dazu der zweite Begriff:  Tour.  Es gibt 25 Stationen, die auf der Tour besucht werden können

25 Stationen, an denen Künstlerinnen  und Künstler ihre Werke ausstellen.

Erstmals gehört auch unsere Kirche zu diesem Raum der offenen Tür im Rahmen der Creatour.

 

Und hier in der Kirche hören wir bei dem Wort  eben auch das ganz andere mit:
Kreatur – das Wort steht für  Tiere und Pflanzen, es steht für Geschaffenes, für etwas, was aus der Kreativität Gottes entsprungen ist.

So, wie es in der ersten Schöpfungserzählung der Bibel                                                                                                                                                                      in der Reihe der 6 Schöpfungstage aufgezählt wird.

Vom Licht am ersten Tag bis zum  letzten Tag – bis zum Menschen.

 

Kreatur – dazu gehört die Mariendistel.

Diese Pflanze hat Frau Kolberg mit ihren Bildern ins rechte Licht gerückt.

Eine Distel – ein lästiges Unkraut für jeden Gartenbesitzer.

Eine Jahrtausend alte Heilpflanze – die in ihren Garten geweht wurde.

Eine Kreatur, die so vieles widerspiegelt  von  der Kreativität des Schöpfers, misamt seiner Zuwendung zu uns Menschen.

Das eine wie das andere ist in besonderer Weise wiederzuentdecken in der Samenkapsel der Mariendistel. Sie sieht aus wie eine Dornenkrone.

Als Christen hören wir sofort:
Die Schöpfung Gottes leidet an vielen Stellen, wie Christus als der Sohn des Schöpfers  unter der Dornenkrone vor seinem Tod am Kreuz litt.

Die Schöpfung braucht unser Mitgefühl!

Zugleich hören und sehen wir in dieser Kreatur: Mit dfiesem leiden Jesu hat Gott uns von Sünden erlöst. Im Vertrauen zum Leiden und sterben jesu finden wir zurück zu unserer ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes: Wir sind erlöst, befreit.

Wir finden in unserer Erlösung die Kraft, auch die Schöpfung von den Fesseln des Leidens zu befreien.

 

Auf diesem zweiten Bild sehen wir:
Die Pflanze wiegt sich im Wind-

Sie hat etwas von der Form eines Regenbogens angenommen –

Beschützend, wie das Wort aus der anderen Urgeschichte von der Sintflut sagt: Uneingeschränkt steht der Wille Gottes über seiner Schöpfung, sie zu behühten und zu bewahren.

In dem so geschaffenen lichtvollen Hoffnungsraum,  den die Mariendistel  unter diesem Bogen schafft,  sind Frauen zu sehen.

Leicht angedeutet, aber doch als solche zu erkennen.

Frauen.

Sie kommen in der von Männern geprägten Gesellschaft, in der die Texte der  Bibel entstanden, schlecht weg.

Sie tauchen äußerst selten mit ihren Taten oder ihren Namen auf.

Sowohl in der Bibel, als auch später in der Geschichte der Kirche.

Wir wissen das alle und hören diese Kritik von Frau Kolberg mit:

Auch wenn von der katholischen Kirche  Maria als Mutter Jesu erhöht und glorifiziert wird, bleibt die Gleichberechtigung auf der Strecke.  Und wir sehen es gegenwärtig auch an dem Friedensprozess in Nordirland:
Die beiden ehemaligen Feinden, der protestantische Vertreter und der katholische Vertreter  reichen sich die Hände, um das Land nun in Frieden zu regieren.

Das ist wunderbar!

Aber es waren zwei Frauen – Mairied Corrigan und Betty Williams aus dem katholischen und protestantischen Lager, die  über Jahre hinweg ökumenische Friedensmärsche  organisierten.

Die den Friedenprozess ingang gesetzt und ermöglicht haben.

Frauen gehen unter.

 

Hier unter der Mariendistel treten die Frauen sichtbar hervor.

So wie der Wert alles Geschaffenen in der Distel spürbar wird, so  auch alles Geschaffene in dem Bild der Frau.

Ins rechte Licht gerückt, damit der Mensch – Frau wie Mann zurückfindet zu dem, was er nach Gottes Willen vor allem anderen als seine Kreatur ist: Sein Ebenbild.

Erlöste, befreite Kreatur.

Der Mensch – die Frau : Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.

Der Mensch – der Mann – Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.

Nur eben: Die Ebenbildlichkeit excistiert nur gemeinsam, in der von Gott gewollten Vielfalt und Unterschiedlichkeit

Das macht Gottes Schöpfung aus.
Was so unterschiedlich ist, das gehört zusammen.

Frau und Mann,

Mensch und Tier,  Mensch, Tier Pflanze, Kinder und Erwachsene.

Alles zusammen ist erst Kreatur: Von Gott Geschaffenes.

Darin erfährt der Mensch den beglückenden Reichtum der Schöpfung Gottes.

Unser Leben ist eingebettet in diese wunderbaren Zusammenhänge der Schöpfung.

Unter dem Regenbogen, unter der Verheißung, dass alles bewahrt werden soll, durch die und den, die mit der Ebenbildlichkeit Gottes ausgestattet worden sind.

Im Umgang mit der Schöpfung sind wir gefordert wie Mütter und Väter im Miteinander mit ihren kleinen Kindern.

Was zu allererst zählt ist die Liebe.

Und aus ihr heraus gilt zu tun, was dem Kind zu einer gesunden Entwicklung verhilft.

Auch in diesem Miteinander ist der Mensch in seiner göttlichen Ebenbildlichkeit gefordert.

Erwachsene, wie Mütter und Väter und Paten, aber auch wir als Wegbegleiter der Kinder, nehmen die kleine, die liebesbedürftigen hinein in den Zusammenhang der Schöpfung.

Sie bekommen  das Gefühl vermittelt, Kreaturen zu sein – Geschaffenes, göttliches Geschenk -  schon mit Gottes Ebenbildlichkeit ausgestattet, aber  noch in ihrer  Empfindsamkeit, in ihrer  Verletzlichkeit, so, wie Frau Kolberg die Verletzlichkeit dargestellt  mit der Nacktheit der Frauen und ihrer Körper.

Die Kinder fordern uns in besonderer Weise zu diesem sensiblen Umgang heraus:

Die Schöpfung zu behüten und zu  bewahren.

 

Alles gehört in dieser Kreatürlichkeit zusammen.

Das ist der Schatz, der uns als Kreaturen so reich macht.

Und schließlich  auch das gehört dazu
Der letzte Schöpfungstag , der Tag mit der Ruhe des Schöpfergottes.

Gerade dieser Abschluss der Schöpfungserzählung zeigt an, dass die ganze Schöpfung etwas Göttliches in sich trägt.

Etwas Heiliges, dem Menschen nicht Verfügbares, etwas Geheimnisvolles.

Gott ruhte am Ende.

Es ist die Ruhe, in der er seine Schöpfung loslässt – eben wie ein liebender Vater, wie eine liebende Mutter,die  ihre Kinder loslassen, dass sie eigene Wege gehen.

Zu dieser Ruhe gehört die Bestätigung: Siehe es war ALLES gut.

Gott ruhte am letzten Tag.

Es ist die schöpferische Pause, die Künstler einlegen, um  sich neu kreativ zu betätigen.

Das gilt hier weniger für Gott, den Schöpfer selbst,  als vielmehr für diejenigen, die nach seinem Ebenbild mit der Schöpfung leben.

Denen er seine Schöpfung überlässt.

Zu seiner Ruhe  gehört das Vertrauen zu den Wesen, die mit seiner Ebenbildlichkeit Teil der Schöpfung sind:

Erlöste und Befreite, die mit seiner Liebe, mit seiner Kreativität, mit seiner Besonnenheit und dem Geist seiner Kraft seinen Auftrag erfüllen:
Die Schöpfung  untertan zu machen.

Nicht in dem ursprünglichen Sinn von Bändigen der Natur, die früher übermächtig den Menschen bedroht.

Sondern im Sinne  der Liebe von Mütter und Vätern:

Sensibel und gefühlvoll, mit allen Sinnen.

Bewahren, gestalten, fördern, schützen, pflegen.

Je nachdem, was gerade dran ist.

So erhalten wir das Geheimnis, dass unsere Umwelt heilig ist.

Kreatur.

Von Gott geschaffen, als Schatz in unseren Händen.

Für uns und unsere Kinder -

unter dem Regenbogen Gottes.

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt von Pastorin Anne Voß

 4.3.2007  St. Marien zu Osterholz-Scharmbeck

 

Liebe Gemeinde,

wie viel Körperlichkeit wollen wir in einer Kirche sehen? Wie viel Haut und Knochen, Fleisch und Blut – wie viel Leib und Körper wollen wir hier wahrnehmen? Ist ein nackter Frauentorso, wie der, den Frau Kolberg in diesem Bild gestaltet hat, schon zu viel? Berührt uns dieses Bild peinlich? Denken wir vielleicht: Muss das sein – hier in der Kirche, vor dem Altar?

Für die Predigt heute habe ich aus dem Bilderzyklus „Mariendistel“ dieses Bild gewählt – nicht weil ich es schön, im Sinn von ‚hübsch’ finde, sondern weil es so deutlich zeigt, dass Frau-Sein bedeutet, einen weiblichen Körper zu haben. Einen Körper, der sich vom männlichen unterscheidet.

Ich weiß nicht, in wie weit Sie Ihren Körper in seiner weiblichen oder männlichen Form wahrnehmen, - aber für mich kann ich sagen: Meistens nehme ich meinen Körper nicht bewusst unter dem Blickwinkel wahr, dass er weiblich ist.

Hier in der Kirche, das merke ich beim Sprechen, hier ist es mir – ehrlich gesagt – sogar unangenehm, mir weibliche oder männliche Körperlichkeit bewusst zu machen und ich frage mich, ob Sie das vielleicht ähnlich empfinden. Es gibt ein Unvermögen – jedenfalls bei mir – es gibt ein Unvermögen, ganz natürlich und unverkrampft von Körperlichkeit zu reden: von Brüsten und Hüften, von Schenkeln und Kurven, von der Milch Maria’s, die - der Legende nach - auf die Mariendistel getropft ist und der Distel ihre gefleckten Blätter und den Namen gegeben hat.

An und für sich könnte man doch ohne ein unwohles Gefühl zu haben, öffentlich von menschlicher Körperlichkeit sprechen. Nur: Wie schnell komme ich dabei in den Verdacht, unanständig oder frivol zu sein? Dass ich mir heute schon den Kopf darüber zerbreche, ob und wie Auszüge aus dieser Predigt morgen vielleicht in der Zeitung stehen – unter der Überschrift „Pastorin spricht über Brüste“ – solche Gedanken von mir zeigen doch: Es gibt ein Unvermögen, es ist nicht leicht, unbelastet von Körperlichkeit zu sprechen.

Ob dieses Unvermögen mit der langen Geschichte zutun hat, männliche und weibliche Körperlichkeit aus der Kirche auszuschließen?

Dass es diese Geschichte gibt – wer wollte das ernsthaft bestreiten? Wer wollte leugnen, dass in der Geschichte der Kirche vor allem der Frauenkörper zum Sinnbild erklärt worden ist für Triebhaftigkeit, für maßlose Sexualität und für schmutzige Phantasien. Dieser verzerrte Blick auf den weiblichen Körper ist eine Form von Gewalt, die Frauen angetan wurde und wird. Das drückt für mich dieses Bild aus dem Zyklus „Mariendistel“ aus: Von Gittern umgeben, gefesselt von schwarzen Stricken sehe ich einen weiblichen Körper, der – wären die Stricke und die Gitterstäbe nicht da – der wunderbar gemacht und anzusehen wäre.

Es kann sein, dass die Kirche - und ich selbst - Bilder wie die von Frau Kolberg brauchen, um zu einer unverzerrten, gewaltfreien Wahrnehmung der Körperlichkeit des Menschen zu kommen. Dieses Bild verstärkt bei mir den Wunsch, dem Körperlichen mit Wertschätzung zu begegnen – denn ich sehe das Bild an und wünschte, ich könnte die schwarzen Fesseln wegnehmen, die den weiblichen wie auch den männlichen Körper einschnüren und verzerren.

Körper, ganz gleich ob maskulin oder feminin, Körper sollten geachtet, wertgeschätzt und geliebt sein. Das jedenfalls sagt ein breiter, wesentlicher Strom der biblischen Tradition – ganz im Gegensatz zu den Zerrbildern, die es in der kirchlichen Geschichte gegeben hat.

Die Bibel beginnt geradezu mit einem Bekenntnis zur Körperlichkeit. Denn der Schöpfungsbericht, den wir als Lesung gehört haben, ist doch im Grunde nichts anderes als ein Danklied auf den Schöpfer aller Körper, aller Formen und Gestalten. „Es soll ein Gleichnis von mir geben“, sagt Gott, „ein Wesen, das mir ähnlich ist.“ Und so schuf Gott Mann und Frau – als sein Ebenbild.

Liebe Gemeinde, ich finde: Deutlicher und schöner kann man wohl kaum beschreiben, wie wunderbar es ist, einen Körper zu haben. Er ist heilig - sagt die Bibel -, denn er kommt von Gott.

Wer einen menschlichen Körper beleidigt, quält, verstümmelt oder tötet, beleidigt Gott und sündigt. Unter göttlichem Schutz steht darum jeder Körper einer Frau und jeder Körper eines Mannes.

Außerdem glauben Christen, dass Menschliches und Göttliches sich miteinander verbinden können. Sie glauben, dass Gott Mensch wird – überall dort, wo wir uns an Jesus Christus orientieren - immer dann, wenn wir ihm als göttliches Wort in Fleisch und Blut vertrauen.

Vertrauen wir darauf? Glauben wir, dass Gott sich in den Geschöpfen der Welt finden lässt? Sehen wir in jedem Körper - selbst und gerade in den gedemütigten – sehen wir in jedem Körper Gottes Glanz und Abbild? Verstehen wir uns selbst und unser Gegenüber als ein Wesen, das seinen männlichen oder weiblichen Körper von göttlicher Schöpferkraft bekommen hat, um in Raum und Zeit zu leben?

Wenn wir das verstehen, das sehen, daran glauben und darauf vertrauen, dann wird unser Umgang mit dem eigenen Körper liebevoller und achtsamer als er oft ist. Und: Unser Umgang mit dem Körper des Mitmenschen, des Mitgeschöpfes, der Mitwelt wird respektvoller. Dann achten wir die Distel – diese oft als unangenehm empfundene Pflanze – in ihrer Schönheit und Nützlichkeit. Dann respektieren wir den weiblichen Körper in seiner besonderen Form und Würde. Dann schätzen wir den männlichen Körper in seiner speziellen Gestalt und seinem Wert. Dann freuen wir uns über unseren eigenen Körper, der so grundlegend und entscheidend für uns, dass wir ohne ihn nicht hier wären, auf dieser Erde.

Irgendwann, vielleicht schon jetzt, wird unser Körper uns möglicherweise schwer zu schaffen und große Mühe machen. Irgendwann – das wissen wir – werden wir uns von diesem Körper, der uns während der unterschiedlichen Abschnitte unseres Lebens, so unbeschreiblich schöne Dinge hat erleben lassen – von diesem Körper werden wir uns irgendwann einmal verabschieden müssen. Aber bis es so weit ist, schenkt Gott uns wunderbare Möglichkeiten. Und dann, danach wird er es auch tun.

Und der Friede Gottes, der höher und tiefer, weiter und näher, größer und kleiner ist, als alles, was Menschen sagen und ausdrücken können, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

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Anja Marina Kolberg

Dipl. Kunsttherapeutin/-pädagogin
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