creARTour  2019

Eröffnungs-Rede preARTour 2019 am 11.04.2019 im Rathaus Hambergen

 

Guten Abend liebe creARTour-Freunde + liebe creARTive.

Ich wurde gefragt, ob ich einige Worte zum Thema „Kreativität als Therapie“ bzw. seelische Heilung durch Glücksempfinden sagen könnte.

Dies tue ich schon aus dem Grund gern, weil es ja auch meine langjährige Arbeit als Kunsttherapeutin bzw. -pädagogin betrifft.

Natürlich ebenso, als die alljährliche creARTour schon seit über 15 Jahren zu meinem Leben dazugehört und ich überwiegend positive Erinnerungen hege – wobei wir bereits beim Thema Glücksempfinden sind...

Kann Kreativität also heilend sein?

Vorab schon mal die Antwort, die ich gern etwas erläutern würde:

Sie lautet „JA“

Nur als Info, bereits im alten Griechenland wurde eine Form von Kunsttherapie praktiziert – im Tempel von Delphi – mit Farben !

 

In der zeitgenössischen Kunsttherapie gibt es natürlich verschiedene Verfahren, bzw. Techniken, die sehr speziell bei Krankheiten der Psyche eingesetzt werden können, aber das würde heute abend zu weit führen...

 

Sie haben sicherlich schon bemerkt, dass ich nicht primär von „Kunst“, sondern von Kreativität gesprochen habe – die Definition des Begriffs „Kunst“ führt ja sehr häufig zu Debatten...

Und eine Menge Menschen schrecken davor zurück, kreativ zu werden, weil sie meinen, den allgemein damit verbundenen Anspruch nicht erfüllen zu wollen oder können.

Während meiner Tätigkeit als Kunsttherapeutin habe ich endlos oft gehört:

Ich kann das nicht“.

Meine Antwort darauf lautet :

  1. Kunst kommt nicht von Können

  2. Wenn alle Menschen von Kindesbeinen an soviel Zeit mit kreativen

    zweckfreien (und das ist ein wichtiger Punkt!) Täigkeiten verbracht hätten, wie z.B. mit Lesen, Rechnen etc., würden wahrscheinlich nur noch wenige dieser Meinung sein...

 

Ich möchte hier also lieber nicht von „Kunst“ reden, sondern ganz allgemein von Kreativität!

Alles, was ich hier sage, ist nicht als absolutes Statement zu verstehen, es gibt durchaus individuelle Färbungen – es geht mir um Grundsätzliches.

 

Kreativ können Menschen natürlich nicht nur beim Malen, Zeichnen, Töpfern, Bildhauern sein … ebenso andere Tätigkeiten, z.B. Schreiben, Musizieren etc. fallen landläufig darunter.

Joseph Beuys ist ja sogar so weit gegangen, jede Alltagstätigkeit als kreativen Akt einzustufen.. „Jeder Mensch ein Künstler

hat er gesagt...

Es gibt aus meiner Sicht aber schon einen anderen Aspekt, der wichtig ist, um aus dem Alltagstrott heraus in dieser Hinsicht tätig zu werden.

Wenn wir jetzt einmal davon ausgehen, dass nicht spezielle Talente vorliegen, die ja dazu führen können, dass Menschen von sich aus von frühester Jugend an in einer bestimmten Richtung kreative Fähigkeiten ausdrücken..

Und das ist erstens die Zweckfreiheit, die in gewisser Weise auch die Unterscheidung zum Kunsthandwerk ist...

Dieses ist ja häufig mit speziellen – auch erlernten – Fähigkeiten verbunden. Das ist z.B. beim Malen ähnlich, aber im Unterschied dazu, ist es hierbei durchaus möglich bzw. erwünscht, in den sogenannten „Flow“ zu kommen – so bezeichnet man einen Zustand, der mit einer – ich nenne es hier jetzt einmal – Selbstvergessenheit - verbunden ist.

Denken Sie vielleicht an den Begriff „Brainstorming“, grösstmögliche Freiheit von Vorgaben, Regeln, Verboten...

 

Picasso war der Meinung, es sei von Wichtigkeit, bestimmte Techniken zu beherrschen, aber wir sollten in der Lage sein, diese im kreativen Tun immer wieder sozusagen „zu vergessen, auszublenden“, sozusagen „absichtslos“ zu werden und dadurch Raum für Neues, Ungewohntes zu schaffen..Der Augenblick des sogenannten Musenkusses.

 

Und dann ist da dieser Impuls, mich ausdrücken zu wollen, der eine grosse Rolle im Kreativen Prozess spielt..

Und im zweckfreien Malen betreten wir dabei „Die Bildebene“ die auf der psychischen Ebene lt. C.G. Jung mit dem Traum korrespondiert..will heissen, wir verlassen die Sprache und sind u.U. Dadurch in der Lage, Dinge auszudrücken, die durch Reden eher nicht transportiert werden können..

Denken wir z.B. an die Höhlenmalereien des Früh-Menschen, kreativer Ausdruck ist so alt wie die Menschheit!

 

Letztlich geht es bei allen kreativen Tätigkeiten in tragender Weise darum,

sozusagen „in Kontakt zu treten „.. mit mir selbst bzw. mit anderen Menschen – da sind wir bereits mitten im creARTour-Geschehen...

 

Menschen müssen ja erst einmal beschliessen, ich fange jetzt an, z.B. zu malen und an der creARTour teilzunehmen - darum:

 

Um überhaupt anzufangen braucht man Mut!

Es bedeutet, ich male und konfrontiere mich mit meiner Malerei z.B. hänge ich mein Bild in meine Wohnung, schau es mir an, zeige es nahen Menschen –

Schritt 2 wäre dann, ich zeige „Es“ anderen Menschen – ganz öffentlich – wie z.B. bei der creARTour...

 

Das bedeutet, ich akzeptiere mich in der Art und Weise, wie ich mich ausdrücke, ich stehe zu mir, dazu, wie ich mich äussere..ich muss nicht dem entsprechen, was andere von mir erwarten, sondern mir selbst!

 

Das kann sehr heilsam sein!

Und dann kommen wir bestenfalls in die Freude! Ganz wichtig!

 

Oft kommt es in diesem geschilderten Prozess zu Verzögerungen, weil wir

nicht gelernt haben, uns frei auszudrücken...

Aber wenn es gelingt, kommen wir bestenfalls in die Freude!

Und das ist das eigentlich – wenn man so will – Heilende...wie ich finde!

 

Was bedeutet das nun für die creARTour ?

mehr als 15 Jahre lang immer im Mai finden sich hier Menschen, die Anderen die Gelegenheit geben wollen, ihnen über die Schulter zu schauen –

Unabhängig von etablierten Kunstwerken in Museen etc...

Einfach Menschen wie du und ich!

 

Und ich behaupte jetzt einmal, ein gutes Stück deswegen, weil sie Ihre Freude am kreativen Tun teilen möchten!

 

Insofern belegt das bereits Gesagte aus meiner Sicht, dass die Akteure der creARTour einen Beitrag dazu leisten, diese/unsere Welt,

 

die wir vielfach durch die Vernachlässigung unserer Natur als kreative Wesen haben zunehmend Einheits-Grau werden lassen, diese Welt ein wenig farbiger, zauberhafter zu machen!

 

Im Namen aller beteiligten creARTiven wünsche ich Ihnen, dass sie als Besucher Freude empfinden beim Betrachten und im Kontakt, nicht nur hier im Rathaus ...

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Anja Marina Kolberg

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www.creatour-hambergen.de

www.teufelsmoor.de

touristik@hambergen.de

Hier finden Sie mich

Anja Marina Kolberg

Dipl. Kunsttherapeutin/-pädagogin
Rohrstraße 14a
27572 Bremerhaven

Telefon: +49  0471 95898460

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